Sonntag. Bevor unser Kurzbericht startet kommt hier zunächst ein kleines Rate-Bild. Was ist das?
Wir freuen uns über Euer Mitraten und zeigen die Auflösung in Kürze hier auf dieser „Frequenz“

Also, Sonntag im Herbst in Midland, bei ganz vielen dunklen Wolken und Regen. Was macht man da eigentlich? Gar nix machen oder ins Museum? Wir gingen ins Museum.
Nun, wer oder was sind denn jetzt Huronen? Indianer. Es ist ein Indianerstamm, der zwar mit den Iroquesen verwandt, aber dennoch verfeindet war. So was solls ja geben. Beide, Huronen und Iroquesen haben mit Biberfell gehandelt. Die Huronen mit den Franzosen, die Iroquesen mit den Holländern.
Was macht man mit Biberfell? Nach dem Häuten zog man es damals so lange hin und her durch Quecksilber, bis die vielen samtweichen Härchen abfallen. Aus diesen Härchen wurde eine Art Filz hergestellt und aus diesem ganz teure Hüte. Der „Mann von Welt“ fuhr damals noch keinen Mercedes-SLK sondern trug einen solchen Filz hut. Aus dem Leder selbst wurden Taschen und anderes gefertigt.
Beides, Taschen und besonders alte Hüte, sind sehr quecksilberbelastet.
Was bekamen die Indianer als Gegenwert für die Biberfelle? Die Iroquesen erhandelten sich mit den Biberfellen Waffen. Die Huronen erhandelten sich alles Notwendige für die Landwirtschaft, aber eben keine Waffen, denn das hatte die französische Regierung nicht erlaubt. Dafür kamen die Jesuiten. Die Jesuiten brachten eine andere Kultur, ihre Religion und Krankheiten, die die Indianer nicht kannten, z.B. Grippe.
Wie lange ging das gut? Zehn Jahre lang. Die Jesuiten bauten die Missionsstation „Sainte-Marie among the Hurons„. Zehn Jahre lang (1639-1648) war hier sozusagen der Bär los, ein Fünftel der europäischen Einwanderere lebte hier. Bis den schwer bewaffneten Iroquesen der Kragen platzte und sie mit 1000 Mann (incl. ungetaufter Huronen) die Station überfielen und die Station in Brand setzten. Die überlebenden Jesuiten zogen mit den getauften Huronen nach Quebec.
Diese Geschichte kann man sich ein Stück weit ansehen. Wir gingen zunächst, wie oben schon geschrieben, in das Huronia-Museum. Das Museum stellte ziemlich bunt zusammengewürfelt alltägliche Dinge aus dem Leben früherer Zeiten aus.

Es sind ein paar schöne Sachen dabei, zum Beispiel Zeichnungen eines Matrosen.

Direkt neben dem Museum ist ein Indianerdorf nachgebildet das „Huron-Quendat-Village“. Im Reiseführer steht „ist ein mit großer Sorgfalt ausgeführte Rekonstruktion eines Indianerdorfes, das da Leben im 16. Jahrhundert widerspiegelt“. So ganz stimmt das nicht. Die Anlage, halb so groß wie ein Fussballfeld, ist mittlerweile nicht mehr ganz so gepflegt. Einzelteile der Anlage wurden wohl mal durch einen Brand zerstört und nicht wieder erneuert. Man sieht, dass die Stadt an diesem Museum nicht interessiert ist und nichts investiert. Die Leute, die sich mit schmalem Geldbeutel dafür engagieren, machen das wohl in Eigeninitiative. Damit ist es nicht zu schaffen und wird der Sache nicht gerecht.
Lustig war, dass wir uns das Indianerdorf selbst aufschließen mußten. Es kommen zu dieser Jahreszeit zuwenig Touris vorbei, als dass ständig jemand aufpassen kann. So sieht es von aussen aus …

Innen gibt es denn eine Art Lehrpfad, Symbole auf Holz kennzeichnen Ausstellungsstücke, die in einem (deutschen) Handout nachgelesen werden können.
In solch einem schicken Zelt wohnte der Schamane.

Und der Rest des Stammes wohnte in einem solchen Langzelt.

Hier spielte sich das ganze Leben ab. Privatsphäre gleich Null. Kommunikationsfähigkeit stand ganz oben auf der Liste der sozialen Kompetenz. Geschlafen wurde nur auf den unteren Pritschen. Schlief man mal weiter oben ein, brauchte man sich wg der Rauchentwicklung der verschiedenen Feuerstellen im Zelt keine Gedanken mehr über den Wecker zu machen.

Nach diesem Huronen-Village fuhren wir 5 km östlich von Midland. Dort ist die interessante Nachbildung einer Missionsstation zu finden. Zum Glück haben wir uns nach dem Museumsbesuch noch aufgerafft und sind dorthin gefahren.
Dort trafen wir Christoph, einen jungen Deutschen aus Köln, der vor Jahren hierher ausgewandert ist und neben seinem eigentlichen Job hier mithilft.

Christoph zeigte uns die Anlage, erklärte uns mit Leidenschaft, wie sie entstand, wer kommt und wie sie sich finanzieren. Das hat richtig Spaß gemacht.

20 km + 2742 Schritte
25 Grad + 78 % Luftfeuchtigkeit.
over and out.