Donnerstag. Ein Tag in der Natur. Da wir am gestrigen Tag im Dunkeln ankamen, sind wir sehr gespannt, wie es nun rund um das Blockhaus aussieht. Wir nehmen schon gleich den Fotoapparat auf unsere erste Erkundungstour mit. Man weiss ja nie, was einem im Blockhaus über den Weg läuft.
Das Hotel Sacacomie liegt am See Sacacomie.

Von der Terrasse hat man einen sagenhaften Blick über den See.

Zoomt man näher heran, wird es bunter …

Beim Frühstück riecht es nach Lagerfeuer. Die ausgestopften Tiere sehen uns beim Essen zu.
Und dann erst einmal runter zum See. Wir wollen heute ein wenig paddeln und nachmittags zu den Bären und Bibern. So der Plan.
Am See kann man Kanus und Tretboote kostenfrei ausleihen. Oder (für Geld) mit einem Wasserflugzeug über die Wälder fliegen. Wir wollen es lieber ruhig angehen und paddeln vormittags. Hier ist Renate auf dem Weg zum See.

Der Bootsanleger … ohne Flugzeug …

Der Bootsanleger mit Wasserflugzeug …. hier startet es gerade und macht ordentlich Wind und Wellen.

Micha macht derweil das Kanu klar …

Auf unserer Paddeltour sehen wir übrigens ein Inukshu, oder das, was davon übrig geblieben ist. Es hatte vielleicht mal die Bedeutung … „Achtung, hier wird es flach, gleich knallts“. Denn ne Sekunde später sind wir aufgelaufen. Angeblich hat der Maat vorne im Ausguck nicht richtig aufgepasst. Es geht eben nur eins, entweder paddeln oder fotografieren. Maat muss Fotoapparat weglegen ;-(

okay, eins noch. Nein, Micha macht hier keine Eskimorolle. Das ist der Versuch eines Fotos über Kopf, umdrehen war in diesem Kanu zu wackelig.

Nachmittags nahmen wir an einer Tour zu Bären und Bibern teil (= Ours et Castors). Sicherheitshalber mit jemandem, der sich auskennt und weiss wie man Bären verjagen kann. „You have to impress them!“

Wie „impresst“ man denn bitte einen Bären?
Wir lernen Grundregel Nr 1: niemals alleine unterwegs sein. Das beeindruckt ihn gar nicht.
Grundregel 2: nicht rennen, klettern, weglaufen, denn all das kann der Bär besser als wir und schwimmen kann er auch verdammt gut. Besser ist also gemeinsam schreien, Krach machen.
Unser Begleiter nimmt so ein Pressluft-Horn (Hupe) mit. Da platzt einem zwar das Trommelfell, aber der Bär ist weg. Der hört auch erst mal nix mehr.
Wir fuhren also mit unserem Guide und vier anderen Touris (2 Deutsche, 2 Franzosen) weiter in den Wald. Sein Name war Marion, Beruf Trapper. Deutsches Rätselraten, was ist ein Trapper? Grübel, was stand darüber im „Lederstrumpf“? Micha fragt ihn. Ein Trapper stellt „traps“, also Fallen auf. In Kanada wird außer dem Angeln auch heute noch aktiv Jagd betrieben und eben auch „trapping“; Ziel sind dabei die verschiedenen Tierfelle die dann verkauft werden.
Wer geht denn in die Falle? Mal sehn.
Wir fahren in einen Bereich, wo Bären gefüttert werden.


… und laufen zu einem bärensicheren Hochstand.
Anmerkung des Lektors: Das ist übrigens kein Draht- sondern Fliegengitter rundherum; ob das den Bären „impressed“ ??

Im Umfeld dieses Hochstandes leben 12 Schwarzbären. Unser Begleiter erklärte uns, dass die Wahrscheinlichkeit, in diesen Tagen einen Bären zu sehen, bei 50 % liegt. Gestern wäre einer da gewesen.
Wir müssten ganz leise sein, sagt er, nicht sprechen. Bären seien scheu. Wir kletterten also in dieses Häuschen hinein und warteten.
Da die Winterzeit mit großen Schritten näher kommt, müssen sich die Bären Winterspeck zulegen. Innerhalb von zwei Monaten verdoppeln sie ihr Gewicht, von 100 auf 200 kg. Das schafft Bär nur, wenn man den ganzen Tag nichts anderes macht, als Fressen.
Daher kommt wohl der Ausdruck „einen Bärenhunger haben“.
Was hier so nichtssagend aussieht, ist die Bären-Cafeteria. Eine alte Öltonne, ca 100 Liter Fassungsvermögen, in der süße Maismaische drin ist.
Auf nachfolgende Lichtung mit Tonne jedenfalls, liebe Leserschaft, haben wir eine Stunde geduldig draufgesehen. Man könnte auch sagen meditiert. Schweigend.
…war da nich was links im Gebüsch? … nö … nur ein Blatt ist runtergefallen, scchhhhh! .. Schweigen. Kaugummi?! … ja, her damit. Schweigen.
Tonne quer.

Tonne mit Lichtung hoch.

Gelbes Blatt links.
Ja, is klar. Is nicht besonders beeindruckend. Aber alles andere war noch langweiliger.
Schweigen. Warten. Fotoapparat überprüfen.
So ne Stunde kann lang sein. Warten. Ohne zu sprechen. Kein Mucks.
Aber was nutzt das Drumherum reden. Die Bären kamen nicht.
Sie haben sich für die andere Hälfte von den 50 Prozent entschieden. Anscheinend waren sie irgendwoanders was Leckeres essen. Schade.
Aber dann hat man uns noch sehr viel über Bären und deren Lebensweise erzählt. In der Provinz Quebec leben derzeit 70.000 Schwarzbären, tendenz steigend.
Danach gings zu den Bibern. …
Wikipedia schreibt:
Der Biber kann bis zu 1,40 m lang und 35 kg schwer und bis zu 20 Jahre alt werden. Sein braunes Fell ist mit 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter (Mensch: bis zu 600 Haare pro cm2) sehr dicht und schützt vor Nässe und Auskühlung. Der Pelz wird regelmäßig gereinigt und mit einem fetthaltigen Sekret, (Castoreum) gepflegt.
Hier zwei Fotos vom Ausflug dazu.
Der Biberdamm. An diesem arbeitet eine Biberfamilie mit sechs bis acht Bibern. Zwei haben wir gesehen.
Noch vor zwei Jahren, bevor sich diese Biberfamilie hier angesiedelt hat, gabelte sich der gerade noch zu erkennende Weg einmal geraudeaus und einmal nach links (wo jetzt nur noch Wasser zu sehen ist). Von links kam lief ein kleines, kaum erkennbares Rinnsal über den Weg. Das haben die Biber aufgestaut und den ganzen Damm den man jetzt hier entlang des Weges sieht aufgebaut, so dass dieser riesige Teich entstanden ist, der fast so groß ist wie ein Fussballfeld.

Der aufgestaute Damm. Die Bäume, die bei dem angestiegenen Wasser bis zum Hals im Nass stehen, gehen ein.

Over and Out.