Samstag. Wir haben uns vorgenommen, heute von Niagara Falls über Umwege nach Westen zum Städtchen Midland zu fahren. Das sind ca 400 km. Wir sind davon ausgegangen, es dauert ca 3,5 Stunden und wir können uns danach noch ein wenig das Städtchen am Lake Huron ansehen.
Daraus ist nix geworden, denn a) wissen wir jetzt, wo die Kanadier ihr Wochenende verbringen, nämlich auf dem Highway und b) hat es unglaublich geregnet, Auswirkungen des Hurrikans im Süden.
Wir waren den ganzen Tag unterwegs, haben nur 2-3 Mal einen Stopp gemacht. Dreispurig in jede Fahrtrichtung bewegte sich gemächlich eine ganze Armada von Autos. Meist große Vans und zwischendrin noch viel größere Superlastwagen mit vielen Achsen. Dennoch ist Autofahren auf den Highways ganz relaxed, durch die Geschwindigkeitsbegrenzung kommt keine Hektik auf. Verkehrsschilder sagen, wie schnell man fahren darf und was passiert, wenn man schneller fährt
Meistens war die erlaubte Geschwindigkeit so bei 80 – 100 km/h. Liegt man 50km/h drüber, kostet das mal locker $ 10.000 Bußgeld. Es stellte sich uns also gleich die Frage, wie sieht ein kanadischer Blitzautomat aus, auf den wir achten sollten.
Wie ein Elch?
Sicherheitshalber haben wir uns dann an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten und wurden durchgängig von großen, kleinen Autos und Tanklastwagen überholt. So outet man sich garantiert als Touri. Und so hats fast den ganzen Tag geregnet …

Normalerweise nur knapp eine Autostunde von Niagara entfernt liegt der Ort Kitchener, ca 300.000 Einwohner. Unsere Zwischenstation auf der Route. Laut Reiseführer ist hier das größte Siedlungszentrum deutscher Einwanderer in Kanada. Das läßt sich leicht an den Namen der umliegenden Ortschaften ablesen: New Hamburg, Hanover, Holstein.
Die heutige Stadt Kitchener hieß früher Berlin. Wären wir in vier Wochen hierher gekommen, wären wir ganz gewiß aufs hießige Oktoberfest gegangen. Angeblich ist es das zweitgrößte Oktoberfest der Welt. Es dauert 9 Tage, es gibt bayrische Blasmusik, Jodelwettbewerbe, Sauerkraut, Weiswürste u.a.. Überhaupt wird überall nur in Superlativen gedacht.
Uns hat aber heute eine Nummer kleiner genügt. Wir sind zum „Farmer´s Market“, der ganzjährig jeden Samstag stattfindet. Es kommen Bauern aus der Umgebung und verkaufen Obst, Gemüse, Kräuter, Ahornsirup, Eingemachtes, Honig und Kuchen die so süß aussehen, dass einem schon beim Ansehen die Zähne wehtun.

Auf dem Markt sind Mennonitenfamilien zu sehen. Sie fallen mit ihrer recht altmodischen Kleidung auf, auch wenn hier und da Turnschuhe unter den langen Röcken herausschauen. Die Männer tragen schwarze Anzüge und Hüte. Die Frauen lange schmucklose Kleider und Hauben.
Der Reiseführer sagt, es gibt in Kanada 170.000 Mennoniten, hier in der Gegend von Ontario ca 40.000.
Er sagt weiter, dass die Mennoniten einer Religionsgemeinschaft angehören, die sich streng an die Bergpredigt halten und besonders konservative Mennoniten lehnen Strom, Telefon, Fernsehen und Autos ab.
Nur 3 km entfernt vom Farmersmarkt liegt der Mennonniten Ort St. Jacobs. Hier wohnen viele Mennoniten. Auf der Straße zwischen St. Jacobs und dem Farmermarkt fahren folglich viele von Pferden gezogene Wagen, die Obst, Gemüse etc zum Farmersmarkt transportieren. Hier ein Foto eines solchen Wägelchens.

Wir haben auf dem Farmers-Markt Ahornsirup gekauft. Diesen auszuprobieren ist in Ontario Pflicht. Der Verkäufer war sehr freundlich und kramte aus seinem Erinnerungsschatz verschiedene deutsche Vokabeln hervor. Er habe schon viel vergessen, aber seine Kinder würden es wieder richtig lernen. Auf einer Referenz-Karte musste Micha dann eine kleine Flagge in Hamburg piksen. So zeigt er seinen Kunden, wohin er seinen Sirup überallhin verkauft.

Aber was essen wir denn eigentlich zu Mittag? Eigentlich hatten wir vor hier mal richtig deutsch zu essen;Eisbein mit Sauerkraut oder so, aber wir haben nichts in der Art gefunden, also Burger mit Fritten? Wir entscheiden uns auf dem Weg zum nächsten Highway für ein halbes Hähnchen mit Fritten. Mal ganz was anderes.
Das wirft uns energetisch ganz weit zurück. Die große, große Müdigkeit überkommt uns. Also, ein Kaffee muss her. Deshalb, ja, Thomas, wir kennen die Kaffee-Kette „Tim Horton“.
Wir haben es nur als solche nicht am Anfang erkannt. Wir dachten, es sei eine Arbeitsvermittlung, Büro oder so was. Man darf auf dem Parkplatz nur 20 min parken und man sieht geschäftige Leute in zumeist schmucklosen Gebäuden rein- und rausrennen. Die, die rausrennen haben aber einen Kaffeebecher in der Hand. Das machte uns Mut, hinterherzurennen.
Mit neuer Energie gehts dann weiter Richtung Westen, mal auf dem Highway, später auf einer Bundesstraße. Da … was war das denn .. brems mal schnell!
Am Straßenrand war eine Tafel und viele Teddybären. Das mußten wir uns genauer ansehen. Es scheint, dass es hier zu einer Vorschule geht.

Das muss die Lehrerin sein
.

Am frühen Abend kommen wir endlich in Midland an, der Heimat der Huronen. Huronen?! Nein, das kann man nicht essen, das sind Maronen. Aber das ist eine andere Geschchte, dazu morgen mehr.
419 km und 2094 Schritte.
Wetter 24 Grad und 88% Luftfeuchtigkeit.
Ah, wir haben jetzt auch eine Reiseroute eingebaut, damit Ihr seht, wo wir entlang fahren.
over and out.